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Die Kornrade war bis in die 1960er Jahre eine sogenannte Ackerbegleitpflanze neben vielen anderen Wildkräutern im Wintergetreide. Infolge moderner Anbaumethoden, vor allem wegen der Saatgutreinigung und des Einsatzes von Herbiziden, kommt sie heute nicht mehr auf landwirtschaftlichen Nutzflächen vor. Inzwischen ist durch Zuchtprogramme eine kleine Auswahl an verschiedenen Varietäten auf dem Markt, die sich allerdings lediglich durch die Blütenfarbe unterscheiden. Statt des hellen Rosatones haben diese Sorten einen etwas tieferen Farbton oder eine gänzlich weiße Blüte. Alle Zuchtformen orientieren sich stark an der charmanten, filigranen Wildform.
Kurzer Steckbrief
- botanischer Name: Agrostemma githago
- andere Namen: Ackerkrone, Kornnelke, Kornrose
- gehört in die Familie der Nelkengewächse
- Caryophyllaceae)
- einjährige, krautige Pflanze
- Wuchshöhen 50 bis 90 cm
- Blüte: trompetenförmige, dunkelrosa Blüte an sehr langem Stängel
- Blütezeit: Juni bis August
- Blätter: länglich schmal, blassgrün
- Früchte: eiförmige Kapselfrucht mit Samen
Arten und Vorkommen
Wahrscheinlich ist die Gewöhnliche Kornrade ursprünglich im Mittelmeerraum beheimatet, wächst aber auch in unseren Breitengraden. Als Ackerwildkraut ist sie jedoch wegen des modernen Ackerbaus fast ausgestorben und gehört daher zu den gefährdeten Pflanzen. Als Wildpflanze, die sich gegen Getreide durchsetzen muss, hat sie sich perfekt an ihren Standort angepasst. Dazu gehört beispielsweise, dass die Blütenstängel der Kornrade sehr lang werden, um das Getreide zu überragen. An den Blütenkelchen haben sich kleine Laubblätter gebildet. Das ist notwendig, da die übrigen Blätter meist in schattigen Gefilden liegen und die Pflanze diese Blättchen zur Fotosynthese nutzt. Zu den beliebten Sorten gehören:
- Milas (auch Rose Queen genannt): dunkelrosa Blüte
- Milas Snow Queen: weiße Blüte
- Milas Purple Queen (auch Milas Cerise genannt): dunkler als Milas
- Sakuragai: weiße Blüte
- Ocean Pearl: weiße Blüte
Rote Liste gefährdeter Arten
Die Kornrade steht inzwischen in Deutschland auf der Roten Liste der gefährdeten Arten mit der Stufe 1 als vom Aussterben bedrohte Pflanzenart. Das liegt daran, dass die Kornnelke zum einen durch Herbizide aus der Landwirtschaft fast ausgerottet ist. Andererseits ist sie auf die Ausbreitung mit dem Getreidesaatgut angewiesen. Die Samenkapsel der Kornrade geht nicht von selbst auf, sondern setzt die Samen erst dann frei, wenn die Kapsel entweder verwittert oder (wie früher) beim Dreschen des Kornes zerstört wird. Da die Samen wegen der ähnlichen Größe zu Getreidekörnern immer wieder mit ausgesät wurden, konnte sie sich gut behaupten. Moderne Saatgutgewinnungsmethoden sind in der Lage, die artfremden Samen auszusortieren, damit auch leider die der hübschen Kornrose.
Giftigkeit
Agrostemma githago ist in allen Pflanzenteilen stark giftig. Schon drei bis fünf Samen führen zu Vergiftungserscheinungen. Deshalb war die Gewöhnliche Kornrade früher ein gefürchtetes Ackerunkraut, da das Getreide nur schlecht gereinigt werden konnte. Heutzutage kommen Vergiftungen kaum noch vor, zudem ist die Pflanze ja schon beinahe ausgerottet. Im Garten macht die Kornnelke in der Regel wenig Probleme, da sie für Kinder nicht besonderst attraktiv ist. Trotzdem bleibt sie für Menschen und Tiere gefährlich und sollte im Zweifelsfall lieber nicht angebaut werden.
Standort
Die Kornrade ist sehr einfach zu kultivieren, denn sie gedeiht auf einem sehr breiten Spektrum unterschiedlicher ökologischer Standortbedingungen. Die krautige Pflanze eignet sich hervorragend als Füllpflanze in Rabatten. Aber auch in Bauerngärten oder in sonnigen Wildkrautbeeten kann sie eine wirklich schöne Wirkung erzielen. Es ist nicht empfehlenswert, die Kornrade an sehr zugige Stellen im Garten zu pflanzen, da sie wegen ihrer langen, dünnen Triebe und Blütenstängel etwas windempfindlich ist. Kann sie sich an windigen Stellen nicht an Nachbarn lehnen, benötigt sie eine Stütze. Kornnelken sind wegen ihrer Wuchshöhe, Standortansprüche und der Blütenfärbung eine wunderbare Ergänzung zu Lavendel und benötigen eine gute Drainage im Boden.
- Lichtbedarf: Vollsonne bis heller Halbschatten
- südlich oder westlich orientierter Standort
- bevorzugt lockere Böden mit hohem Lehm und Sandanteil
- passt sich aber auch sehr gut an nahezu alle anderen Böden an
- benötigt gute Drainage
- hohe Nährstoffgehalte und nasse Böden verträgt sie weniger
- pH-Wert: leicht sauer bis neutral
Aussaat/Pflanzung
Kornraden werden am besten im Oktober oder ab März direkt ins Freiland gesät. Soll ein ganzes Beet voller Kornnelken entstehen, kann man die Samen einfach großflächig ausbringen und mit etwas feinem Sand oder lockerer, krümeliger Erde bedecken. Ansonsten bietet es sich an, die Samen in Saatfurchen zu säen. Wichtig ist, dass der Boden im Vorfeld umgegraben und von Unkräutern befreit wurde. Die Kornrose benötigt eine Fläche ohne Vegetation, damit der Keimling gut austreiben kann. Als Kaltkeimer ist Agrostemma githago auf eine Herbstaussaat angewiesen oder muss spätestens im zeitigen Frühjahr ausgesät werden. Nur so sind die Samen Minustemperaturen ausgesetzt und werden damit zum Wachstum angespornt. Da das Saatgut nur wenige Monate nach der Reife keimfähig bleibt, sollte es spätestens im nächsten Frühjahr ausgebracht werden.
- Zeitpunkt: entweder Oktober oder Frühjahr (ab März)
- die Aussaat erfolgt direkt ins Freiland
- am besten deutlich vor den letzten Frösten aussäen
- keimen besser, wenn sie einer Kälteperiode ausgesetzt waren
- Tiefe: etwa 1 cm
- nicht zu dicht säen
- Samen mit feinem Substrat oder Sand bedecken
- leicht feucht halten
- Keimdauer: zwei bis drei Wochen
- Sämlinge nach dem Keimen ausdünnen
- Abstand: 20 bis 30 cm
Die Jungpflanzen sollten relativ frühzeitig verpflanzt werden, falls dies notwendig sein sollte. Ein späteres Umsetzen führt meist zum Absterben der Kornrade, da es nahezu unmöglich ist, ihre lange Pfahlwurzel unbeschädigt aus der Erde zu bekommen. Es empfiehlt sich, das Beet, in das die Samen ausgesät wurden, bis zur ersten Blütenbildung frei von konkurrierenden Unkräutern zu halten, damit sich die filigrane Blume gut entwickeln kann. Als Wildblume wächst die Kornrade natürlich auch völlig ohne Einmischung des Gärtners, wenn sie sich erst einmal im Garten etabliert hat. Sie lebt vom Rhythmus der Jahreszeiten und wird Jahr für Jahr mit einer neuen Generation aus den im Herbst selbst ausgestreuten Samen den Garten mit ihren bezaubernden Blüten bereichern.
Vorzucht auf der Fensterbank
Wer möchte, kann die Samen auch im zeitigen Frühjahr in einen Blumentopf säen und bis zum Auspflanzen hell und mäßig warm stellen (nicht über der Heizung). Das ist aber nicht unbedingt notwendig, da auch die Samen, die im Herbst ins Freiland gesät werden, gut im Frühjahr keimen. Da die Samen besser keimen, wenn sie einer Kälteperiode ausgesetzt wurden, gibt man das Saatgut in einen Beutel mit feuchtem Sand und legt es für mindestens vier Wochen in das Gemüsefach des Kühlschranks.
Als Substrat verwendet man feuchte Kakteenerde oder Anzuchterde. Beide haben einen hohen Sandanteil und wenig Nährstoffe, sind also gut für die Aussaat geeignet. Bei einer Vorkultur in der Wohnung sollte die Verdunstung mit einer Glasscheibe oder durchsichtigen Plastiktüte (wie ein Gefrierbeutel) eingedämmt werden. Ein gelegentliches Lüften schützt vor Schimmelbildung. Sobald die ersten Blättchen sichtbar sind, kann die Tüte entfernt werden. Da die Kornrade nicht besonders kälteempfindlich ist, kann sie im Frühjahr, wenn keine strengen Fröste mehr zu erwarten sind, ins Freiland gepflanzt werden. Sie bildet dann ab Mai bereits Blüten aus.
- Zeitpunkt: ab Ende März
- Substrat: Kakteenerde, Anzuchterde
- Saattiefe: bis 1 cm
- Keimtemperatur: 13 bis 18 Grad
- Standort: hell, ohne direkte Sonne
- nach der Bildung der ersten Blätter vereinzeln
- ab Mitte Mai ins Freiland pflanzen
- im Vorfeld etwa 10 Tage tagsüber nach draußen stellen (Akklimatisierung)
Düngen und Gießen
In trockenen Perioden benötigt die Kornrade viel Feuchtigkeit und muss daher regelmäßig gegossen werden. Staunässe ist dabei aber unbedingt zu vermeiden. Das Nelkengewächs gedeiht gut auf normalem Gartenboden und braucht in der Regel keine zusätzliche Düngung. Zu hohe Nährstoffgehalte führen lediglich zu einer sehr schwachen Blütenbildung.
Schneiden
Verblühte oder abgestorbene Triebe können regelmäßig entfernt werden, so wird die Blütezeit verlängert. Es ist jedoch ratsam, immer ein paar Samenkapseln ausreifen zu lassen, da die Kornrade auf diese Weise selbst für ihre Vermehrung sorgt, ohne dass der Gärtner jedes Jahr neu anpflanzen muss. Im Herbst stirbt die Pflanze ab, Reste können einfach entfernt und kompostiert werden.
Wissenswertes
Agrostemma githago eignet sich auch hervorragend zur Gründüngung und als Pionierpflanze auf Böden, die rekultiviert werden. Sie stellt keine hohen Ansprüche an den Boden, keimt recht schnell und entwickelt sich zügig. Die Kornrade ist in der Lage, die Infektionskette, die sich wegen falscher Fruchtfolge in die Gartenböden einschleicht, zu durchbrechen. Da das Nelkengewächs Saponine über die Wurzeln ausscheidet, tötet es damit Nematoden ab, vor allem die der Rüben (Rübenzystenälchen). Bei der Kulturfolge ist die Kornrade völlig unproblematisch. Da sie mit anderen Nutzpflanzen nicht verwandt ist, überträgt sie keine Pflanzenkrankheiten wie die Kohlhernie.
Vermehrung
Nach der Befruchtung durch Bienen oder andere Insekten bilden sich Samenkapseln, die geerntet werden können, sich aber auch selbst im Beet aussäen und damit für eine weitere Generation von Kornrosen im nächsten Frühjahr sorgen. Bei der Entnahme und Lagerung sollte darauf geachtet werden, dass Kinder oder Haustiere nicht mit den Samen in Kontakt kommen, da diese beim Verschlucken giftig sind. Vor der Aussaat müssen die Samenkapseln zerstört und die Samen daraus entnommen werden, da die Samenkapseln nur sehr schlecht verrotten.
Krankheiten und Schädlinge
Krankheiten treten bei der robusten Kornrade nur extrem selten auf. Meist liegt ein schlechtes Wachstum an ungünstigen Standortbedingungen wie einem zu nassen oder verdichteten Boden oder einem zu dunklen Standort. Zudem sind keine bedeutenden Schädlinge für die Kornrade bekannt.
Fazit
Sieht man einmal von der Giftigkeit ihrer Samenkapsel ab, die allerdings nur für Weidevieh und beim Kornanbau gefährlich werden können, ist die Kornrade die perfekte Ergänzung für Wildwiesen, Bauerngärten, mediterrane Beete und auch Steppengärten. Sie benötigt nicht viel Pflege und sät sich im Herbst selbst wieder aus. Zudem ist die Kornnelke auch wunderbar zur Gründüngung geeignet und bekämpft sogar Rübenzystenälchen im Boden.